Nackt, aber sicher?

In einem Kommentar war die Rede von Nacktscannern oder um es in Neusprech zu sagen, Körperscannern. Ich will auf den Kommentar nicht antworten, sondern daraus einen eigenen Artikel schreiben, da es sich um eine spannende Entwicklung handelt.

Eigentlich ist zu diesem Thema alles gesagt, deswegen sammle ich hier einfach mal ein paar interessante Links und kommentiere sie.
1. Nacktscanner sind unwirksam und nicht ausgereift.

Allein bei der Präsentation durch Innenminister Thomas de Maizière zeigt der Scanner bei 3 Versuchen 3 verschiedene Stellen als „gefährlich“ an. Kernsatz:

Dreimal geht der Minister für die versammelte Presse durch den Scanner, dreimal leuchten an dem Strichmännchen auf dem Bildschirm gelbe Punkte auf – immer an anderen Stellen.

Vor einiger Zeit war in der Zeit ein Artikel über Werner Gruber, einen Wiener Physikprofessor, der sich relativ ausgiebig darüber ausgelassen hat, dass man froh sein soll, dass Terroristen zum Glück nichts von Physik verstehen. Wenige Tage später präsentiert er sehr eindrucksvoll bei Markus Lanz, dass Nacktscanner extrem leicht auszutricksen sind und schon geringe Mengen des richtigen Stoffs Flugzeuge zum Absturz bringen.
2. Es werden Bilder gespeichert – Bilder sind speicherbar.
Laut Dokumenten, die die US-Regierung veröffentlichen musste, haben die dort eingesetzten Nacktscanner Schnittstellen um Bilder dauerhaft zu speichern, die US-Regierung verfügt allein über 4000 Bilder aus Testläufen. So weit so wenig schlimm, wenn da nicht ein großes Aber wäre. Was technisch möglich ist, wird genutzt. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mal wieder „Einzellfälle“ bekannt werden, in denen das geschieht.
Aber auch das ist ja immer noch nicht so extrem schrecklich. Wenn man nicht davon aus gehen muss, dass jetzt Nacktscanner eingeführt werden und dann einfach per Gesetz oder Verordnung oder einfach so die Option des Speicherns eingeschaltet wird, um gestohlende Identitäten aufzudecken. Und dann im nächsten Schritt vielleicht die Daten noch an die Krankenkasse übertragen werden, damit die Beiträge wegen Fettleibigkeit erhöht werden können.
Es bringt auch nichts, wenn nur ein Strichmänchen angezeigt wird. Das Programm hat die Rohdaten und ist offensichtlich in der Lage sie auszuleiten. Also ist auch hier der technische Datenschutz schon nicht gegeben.
3. Die Nutzung ist nicht freiwillig.
Im Ausland ist es üblich entweder auf die Nutzung zu bestehen, so heißt es: ‚No scan, no flight‘ at Heathrow and Manchester , oder es wird ein Opt-Out angeboten. Opt-Out steht für Optional-Out, man verweigert den Scan und wird anders behandelt. Wie kann man zum Beispiel hier lesen. Kurz zusammengefasst: Nach längeren Diskussionen über den Sinn und Unsinn seiner Weigerung, musste der Mann sich nackt ausziehen und von Beamten kontrollieren lassen.
Wie Innenminister de Maizière schon im ersten Artikel sagt, ist die Nutzung in Deutschland während der Testphase freiwillig. Na fällt der Fehler auf? Ja, da steht während der Testphase, was dannach ist, ist noch nicht definiert, aber es ist davon auszugehen, dass es maximal ein Opt-Out gibt, wenn die Technik flächendeckend eingeführt wird.
In Deutschland werden während der Testphase nur die Prozesse rund um die Nacktscanner getestet, also das Verfahren beim Auffinden gefährlicher Stoffe und bei False-Positive Proben. Ausserdem soll die Akzeptanz des Personals und der Passagiere getestet werden.
4. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Ein Gerät kostet bis zu 130.000 Euro. Der Flughafen Amsterdam rechnet mit der Anschaffung von 75 Geräten, um den aktuellen Passagierdurchsatz halten zu können. Der Kauf der Geräte allein verursacht Kosten in Höhe von 9,75 Millionen Euro. Nimmt man nun noch Kosten für die Schulung des Personals und die Wartungskosten für die Geräte hinzu, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Summe unter 11 Millionen Euro bleibt. Der Sicherheitsgewinn hingegen ist in meinen Augen verschwindend gering.
Fazit:
Für mich überwiegen die Bedenken gegen den Einsatz der Scanner.
In diesem Sinne: Angezogen bleiben und von dem Geld den Schulen anständige Röntgengeräte kaufen.

2 Gedanken zu „Nackt, aber sicher?“

  1. Okay, also wenn dieser Werner Gruber wirklich Recht hat, ändert das natürlich einiges. Dann macht das Ding nicht wirklich viel Sinn. Wird wohl wieder viel Lobbyismus dahinterstehen…
    Aber schön, dass du daraus einen eigenen Artikel gemacht hast 😉
    Und super finde ich, dass du deine Argumente mit Quellen belegst. So kann man das Thema selbst viel besser nachvollziehen.

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