Google und das WLAN

Google bekommt schon wieder Probleme wegen ihrer Street-View-Fahrten mit aktiver Suche nach WLAN Access Points, weil jetzt wohl auch den Spaniern aufgefallen ist, dass man da was gegen tun können müsste. Die Untersuchung wurde zwar schon im Mai eingeleitet, jedoch will man jetzt noch die Entscheidung in einem anderen Street View Verfahren abwarten, bevor man weitere Schritte einleitet.

Ganz ehrlich? Ich halte diese ganzen Verfahren und Ermittlungen für absolut überflüssig.
Google scannt nur die Daten, die jeder von uns mit seinem Access Point, ob bewusst oder unbewusst, völlig freiwillig in der Gegend herumsendet bzw. -strahlt. Auch die Tatsache, dass wohl durch gewollte oder ungewollte Fehler im Programmcode von den Google Autos ebenfalls Nutzdaten mit geschnitten wurden spielt meiner Meinung nach absolut keine Rolle. Wenn ich meine Daten unverschlüsselt oder schlecht verschlüsselt in der Gegend verteile und mich dann darüber Ärgere, dass sie jemand mitnimmt und eventuell lesen könnte, bin ich selbst daran schuld. Ich stelle mich ja auch nicht auf den Bahnhofsvorplatz und Verteile mit privaten Daten in Klarschrift oder, um einen technisch nicht ganz korrekten Vergleich zu ziehen, in Spiegelschrift beschriebene Flugblätter. Und ich behaupte jetzt einfach mal, dass Google wenig Interesse daran hat die mit geschnittenen Nutzdaten auch nur in irgendeiner Form zu verwenden, zumal ich stark anzweifel, dass der relativ Kurze Aufenthalt eines Google Autos in der Nähe eines Access Points dazu ausreichen würde genug Nutzdaten zu sammeln, um die Daten sinnvoll verwenden zu können, vor allem falls sie verschlüsselt sein sollten.
Ich erachte es als durchaus sinnvoll und sehr nützlich Daten wie SSIDMAC Adresse und Signal- bzw. Feldstärke des Access Points mit einer Positionsangabe verknüpft zu speichern. So wird mobilen Endgeräten, welche nicht über GPS oder ähnliches, aber über eine WLAN Antenne verfügen zu mindestens eine grobe Ortung ermöglicht. Und Achtung: Es geht hierbei nicht darum, dass irgendeine Firma die Position eines Endgerätes bestimmt. Es geht darum, dass der Anwender die Position bestimmen und in irgendeiner beliebigen Applikation verwenden kann.
Des Weiteren kann ich nicht ganz verstehen, warum die Staatsanwaltschaften dieser Welt eigentlich immer nur Google im Blick haben. Klar, durch Street View und die dazugehörige Medienpräsenz wird man quasi mit der Nase auf das Thema gestoßen, aber ich denke auch eine Staatsanwaltschaft bzw. die Datenschützer unseres Landes sollten in der Lage sein festzustellen, dass Google bei weitem nicht der einzige Dienstleister ist, welcher mit Autos die Straßen Europas abfährt und WLAN oder andere Geodaten sammelt. Allein auf der Webseite von Geosense for Windows sind 3 weitere Dienste gelistet, welche aber wohl nicht von eben genannter Applikation verwendet werden. Und auch Apple darf man hier nicht vergessen, nachdem sie ihre Partnerschaft mit Skyhook Wireless wohl nicht verlängert haben und mittlerweile genug iPhones auf der Welt im Einsatz haben, welche fleißig WLAN Access Points und die entsprechenden GPS Positionen und vielleicht noch andere Daten nach Hause telefonieren.
Zu guter Letzt möchte ich noch mal klar machen, dass ich es für unverantwortlich halte WLAN unverschlüsselt zu betreiben, auch wenn WPA2 mittlerweile geknackt worden ist, so erfordert dies einen enormen zeitlichen Aufwand und garantiert deshalb im Normalfall für den Endnutzer einen langfristigen Schutz. WEP ist mittlerweile genauso gut wie die unverschlüsselte Variante, denn man muss nur einen Anmeldevorgang am Access Point mitschneiden, um an den Schlüssel zu gelangen. MAC Adressen per Whitelist zu filtern ist auch absolut überflüssig, da diese leicht anpassbar sind und man nur eine Adresse kennen muss, welche auf der Whitelist steht. Gott sei Dank haben zu mindestens einige der deutschen Provider dazugelernt und verteilen nur noch Router an ihre Kunden, welche von vornherein mit WPA2 geschützt sind. Ewige hundertprozentige Sicherheit gibt es bei WLAN nicht, wer also auf Nummer Sicher gehen will, sollte auf das gute alte LAN-Kabel zurückgreifen. WPA2 reicht aktuell für den normalen Endnutzer Haushalt jedoch vollkommen aus.
In diesem Sinne: Sicherheitsmaßnahmen zur Absicherung eines WLANs.
PS: Datenschützer, kümmert euch doch mal um etwas wichtigere Dinge, wie zum Beispiel den Handel mit Adress- und Telefondaten, danke.
Quelle: heise.de: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Neuer-Aerger-fuer-Google-wegen-WLAN-Scanning-1109887.html

2 Gedanken zu „Google und das WLAN“

  1. Sehr gut, dass hier Apple aufgegriffen wird. Wir hatten da vor kurzem unternehmensintern eine Diskussion drüber. Vor Google hat jeder Angst, aber wenn jemand Apple hört schaltet sich bei den meisten wohl das Gehirn aus und die Leute schmeißen Apple die Daten gerade so in den Hals.
    Die Leute wollen ihr Haus zensieren lassen um es vor ,,bösen“ Blicken zu schützen, aber ihnen ist nicht bewusst, dass sie z.B. jederzeit durch ein Handy ortbar sind. Ist das nicht ein viel krasserer Einschnitt in den Datenschutz?
    Mir ist außerdem bis heute noch kein Missbrauchsfall von Daten die Google gesammelt hat bekannt. Weiß da jemand mehr?

Schreibe einen Kommentar